Ein TÜV für den Organisten?

Ein TÜV für den Organisten?Bei der Frühjahrssynode des Evangelischen Kirchenbezirks Bernhausen beschäftigte sich das Kirchenparlament hauptsächlich mit der Kirchenmusik. Auch die Kindergärten und der Waldheimneubau waren Themen.
Zuerst lernten die Synodalen Gabriele Arnold kennen, die neue Prälatin von Stuttgart. Eine sehr zugängliche Prälatin: Sie können mich auch einladen, wenn keine Feierlichkeiten anstehen, sagte sie den Synodalen, ich komme gerne einfach so. Zweiter Gast war Landeskirchenmusikdirektor Matthias Hanke, er sprach über die Kirchenmusik zwischen Tradition und Moderne.
Für Hanke darf Kirchenmusik schön sein und sie darf anlocken, sie darf aber auch schrill sein und aufschrecken. Sie soll aber immer Wertvolles, Bleibendes, Helfendes, Tröstendes und Klagendes aussprechen. Spannungen zwischen Musikstilen entstammten meist mangelnder Wahrnehmung, fehlender Barmherzigkeit und mangelnder Zeit zum Zu- und Hineinhören. Verteidigungshaltungen verhärten. In der kirchenmusikalischen Ausbildung entdeckten viele die andere Seite: Klassiker spielten in der Schule in der Big Band, Leute aus dem Singteam entdeckten plötzlich die liturgische Form der Messe. Wichtig sei, dass die Kirche ein Bereich der Talentförderung bleibe, mit Geduld und Zeit. Jahrelang hätten Jugendliche vielleicht im Chor gesungen, aber das keinem erzählt und schon gar keinen Austauschschüler dorthin mitgenommen. Seit einigen Jahren habe sich das komplett gedreht, Singen sei wieder in. Die Kirche, so Hanke, schlafe auch bei der Popularmusik nicht: Kirchenmusiker erhielten eine Nachqualifikation, in Tübingen gebe es einen Popularmusik-Studiengang, ein Singteam-Coacher wurde eingerichtet und einiges mehr.
Wie steht es im Kirchenbezirk Bernhausen? Dazu hat Bezirkskantor Sven-Oliver Rechner 32 Organisten sowie Pianisten, Posaunenchöre, Singchöre, Bands und nicht zuletzt zwei Flötenkreise befragt. Einige Ergebnisse: Die Vielfalt wird geschätzt, mehr Fortbildung gewünscht, Angebote zur Vernetzung wie eine Online-Pinnwand für Konzerte wurden angeregt. Dass der Organist entlohnt, aber die Band nur akzeptiert wird, wird als unfair empfunden. Gospelchöre sollten ruhig auch einen vierstimmigen Satz von Lobet den Herren singen können. Das Bezirkskantorat, so Befragte, gehöre aufgewertet. Ich habe bei der Umfrage nicht mitgemacht, stellte Rechner klar.
Klassik oder Pop? Nicht nur Rechner vereinigt das in sich, auch Carolin Stäbler. Mein Herz brennt für beides, sagte die Organistin und Leiterin eines Pop- und Gospelchores in einer Gesprächsrunde. Dann machten die Synodalen Vorschläge: Sollen langjährige Organisten, damit sich keine Marotten einschleichen, zum jährlichen TÜV beim Bezirkskantor? Andre Zimmermann aus Scharnhausen empfahl, auch den Beamer als ein Instrument zu sehen. Ältere können dank großer Projektion wieder mitsingen, Englisch wird übersetzt, Neue müssen nicht rätselnd im Gesangbuch suchen.
Nach weiteren Zuschüssen suchen muss hingegen der Kreisdiakonieverband, denn er muss mit etwas weniger Geld von den vier Kirchenbezirken auskommen. Die Umlage wird bis 2022 in fünf Schritten um jeweils 0,5 Prozent gekürzt. Keine Veränderung gibt es im Diakonatsplan 2023, der Kirchenbezirk finanziert weiterhin 380 Stellenprozente.
Zur Entlastung der Pfarrer hatte der Kirchenbezirk schon einmal angeboten, die Trägerschaft der Kindergärten zu übernehmen. Beim ersten Anlauf wollten zu wenige Kirchengemeinden mitmachen. Nun gibt es dank Sonderausschüttungen der Landeskirche einen neuen Versuch, die Synode setzte eine Arbeitsgruppe ein.
Lästige Überraschungen gab es beim Abriss und Neubau des Waldheims Bernhäuser Forst: Die alten Fundamente waren zu hoch und asbesthaltig, dies brachte Mehrkosten von 160 000 Euro. Wir brauchen noch 100 000 Euro an Spenden, warb Dekan Rainer Kiess um Hilfe der Kirchengemeinden. Die Arbeiten liegen im Zeitplan, die Eröffnung ist am 30. Juli, einen Tag später beginnt der erste Waldheimabschnitt.

Das Foto zeigt die Organistinnen Carolin Stäbler und Monika Lindner und Bezirkskantor Sven-Oliver Rechner (von links) an der Orgel der Petruskirche. Eine sechshändige Komposition für Orgel steht aber noch aus, bisher gibt es maximal vierstimmig.

Peter [dot] Dietrich [at] journalist-pd [dot] de (Peter Dietrich)


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